Der Besuch eines Freundes im Reich der gebrechlich Alten
1. Kapitel
Da ist er nun, dieser wehmütige Gang die Treppe hinunter. Den Flur entlang und immer langsamer gehend Richtung Tür, nach draußen in die frische Abendluft der untergehenden Sonne. Wahrnehmend das Klappern der Pfennigabsätze von den Stielettos. Blick starr geradeaus in dieser menschenleeren etwas unheimlichen Ruhe. Zimmertüren alle geschlossen, wie bei kleinen Kindern in der Bettzeit. Gedanken kreisen wirr im Kopf zwischen alternden Bildern. Eine Leere von einem Hauch beängstigender Stille.
Immer wieder einredend, daß er noch nicht aufgeben darf, dass seine Zeit noch nicht gekommen und dann diese berüchtigte Frage „Warum?“
Zurückblickend der Jahre. Da war sie, Elaine 47 Jahre, mittelgroß, dunkelbraunes langes Haar, bedacht auf das fraulich äußere Erscheinungsbild, mit Erlebnissen einer 70-Jährigen. Nicht gerade stolz darauf.
Sie hatte seit den letzten sieben Jahren einen guten Freund Joe, groß von kräftiger Statue, Haare weichend, Hut wie angewachsen, mit seinem derzeitigen 71 Jahren gefunden. Es war vom ersten Moment an, eine Redensart mit beiderseitigem Verständnis. Der Humor an erster Stelle, den Andere ohne Verständnis mit Missgunst verachteten. Beide beherrschten die Sprache der Augen, fast unheimlich und dennoch fühlten sie sich sehr wohl dabei.
Elaine arbeitete in einer renommierten Autowerkstatt im Büro, wobei Joeś Aufgabenbereich in der Beschaffung der Ersatzteile dieser Autowerkstatt bestand. Er übte diese Tätigkeit als freiwillige Abwechslung aus, da er schon seit Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand genoss. In seinem damaligen Berufsleben war er mit Leib und Seele jahrelang unterwegs, als Kapitän auf Frachtschiffen gewaltiger Größen in den Weiten der Ozeane. Einmal wurde er als Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff angeheuert, wobei ihm das nicht so lag, mit den älteren Damen beim abendlichen Dinner Gespräche zu führen. Er wechselte nach dieser einen Fahrt wieder in sein raues Leben, wovon er Elaine immer wieder von neuem berichtete. Elaine war so fasziniert von diesen Geschichten einer Unglaublichkeit, welches sie mit einem dauerhaften Lächeln zuhörend beantwortete.
Elaine lebte mit ihrem Lebensgefährten Cedrik, Alter 53, mittelgroß, schwarz-sibern schimmerndes Haar im modischem Look zusammen, dieser der Chef seiner eigenen Firma seit 20 Jahren , in der sie arbeitete. Somit schickte Cedrik, Elaine und Joe von Zeit zu Zeit fort, ein Kundenauto holen. Von Kunden die keine Zeit hatten ihr Fahrzeug in die Firma zur Reparatur oder sonstiges zu bringen.
Es war Frühjahr, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel. Die Menschen tummelten sich in ihren Gärten suchend nach fleißig, wichtig aussehender Arbeit in dem wenigen Grün, welches die Natur zum Entstehen geweckt hatte. Blumen im sprießend blühenden Gewand. Bäume und Sträucher zarter Knospen in einer Farbgewaltheit. Ein herrlicher Tag.
Elaine und Joe hatten die Aufgabe ein Kundenauto zu holen. Sie setzten sich in das Auto von Joe und fuhren los. Elaine fragte ihn, ob er auch weiß, wo der Kunde wohnt. Joe antwortete „Nein, ich denk du weißt das!“. Also rief Elaine von Handy aus Cedrik an. Er meinte, dass er Joe alles gesagt hätte und wiederholte es für Elaine nochmal. Sie bedankte sich, verstaute das Handy und musste dabei lachen. Sie sagte zu Joe „Sag mal, Cedrik hat dir vorhin alles gesagt und auf der Karte gezeigt wo wir beide hinfahren müssen, wieso hast du zu mir gesagt, dass du nicht weißt wohin?“ Joe antwortete, ach Elaine, du weißt doch, Cedrik kann mir zeigen was er möchte, dass hab ich doch gleich wieder vergessen und außerdem kann ich keine Straßenkarten lesen. Ich kann dir sagen, dass wir nach Nord-Ost fahren müssen, mehr nicht!“ Elaine lachte herzhaft und sagte schmunzelnd „Au man, Joe, wir sitzen im Auto und bewegen uns nicht auf dem Wasser in einem deiner Frachtschiffe!“ Sie lachte und lachte, somit musste er auch herzhaft lachen. Joe herausfordernd: „Schau jetzt fahren wir Backbord!“ Elain stieß ihn leicht in die Seite, so daß er noch mehr lachen musste.
Sie fuhren auf gut befahrenden Straßen, die Felder in einem frühlingshaften Grün. Der Duft frisch gemähten Rasens vehalf zu einem wohlbefindenen Gefühl. Im Rückspiegel Autofahrer in angemessener Fahrweise Abstand haltend.
Joe sagte „Schau, wo wir sind, ist das nicht herrlich hier?“ Elaine schaute sich um und erwiderte „Hey, wo fährst du denn hin, da sind wir falsch!“ Er bog in jugendhafter Manier ab und steuerte auf einen abgelegenen Bauerhof zu. Elaine ahnte schon, dass jetzt genau das kommen wird, was sie beide schon zu oft praktiziert hatten. Joe stoppte seinen Wagen direkt vor einem bäuerlichem Cafe’und meinte „Hier werden wir beide erstmal schön in der Sonne frühstücken!“ Elain lachte entzückt mit den Worten „Joe, das können wir doch nicht tun, sie warten in der Werkstatt auf das Auto!“ Joe: „Ach, die haben auch noch andere Autos zu reparieren und der Kunde möchte es ja erst in 2 Tagen wieder haben! Außerdem holen wir das Fahrzeug nach dem Frühstück.“
Sie suchten sich beide draussen einen Platz und Joe fragte Elaine, was sie essen und trinken möchte. Elaine erwiderte „Setz dich doch bitte erstmal hin, da kommt sicherlich gleich jemand!“ Joe „So lange warte ich nicht, ich geh rein und bestelle gleich.“ Elaine erwähnte, dass sie so früh noch nichts essen kann und dass sie einen heißen Kakao ohne Sahne trinken möchte. Also ging Joe in das wunderbar hergerichtete Bauernhaus, bestellte und flirtete mit den Damen dort drin. Als er wieder hinaus kam, konnte Elaine es sich nicht verkneifen ihm zu sagen „Du quatscht auch jeden Rockzipfel an!“ und lachte dabei, welches er mit einem schelmischen Lächeln antwortete.
Sie schauten beide in das herrliche Grün umgeben mit blühenden Sträuchern, Bäume in ihrem knospenschiebenen Kleidern. Elain und Joe wurden immer ruhiger, genossen die Stille. Nur das Zwitschern der Vögel und das Ummanteln der wärmenden Sonnenstrahlen war bei ihnen anwesend. Bis die Kellnerin mittleren Alters, korpulent mit kurzen Haaren und einem herausfordernden Dekolltee, stolzierend sich dem Bestelltem entledigte.
Joe schluckte genüßlich an einem Glas Bier, er setzte an und die halbe Flüssigkeit des Gerstensaftes war in Sekunden getrunken. Dazu lies er sich ein belegtes Brötchen schmecken. Elaine trank den heissen Kakao, sie bemerkte dabei, daß sie solch leckeren Kakao noch nie getrunken hatte. Joe schmunzelte und meinte „Siehst du, das war doch eine gute Entscheidung von mir!“ Sie plauderten und schienen die Zeit dabei zu vergessen. Joe leerte das Glas mit großen Schlucken, stellte es auf den Tisch, sah Elaine an und bemerkte „Du siehst heute wieder gut aus, Elaine, einfach zum anbeissen. Also, wenn ich 20 Jahre jünger wär, ich wüsste was ich täte!“ Er inspizierte Elaine von oben bis unten, schaute ihr mit einem charmanten Lächeln in die Augen. Elaine war dies nicht angenehm ihn so reden zu hören, er war für sie ein guter Freund. Sie klopfte ihm auf die Schulter „Komm Joe, hör bitte auf, lass uns jetzt bezahlen und hier vom Hof fahren, bevor du noch mehr Unsinn redest!“ Die Kellnerin kam fragend, ob sie noch etwas wünschen. Elaine verneinte dankend. Joe schaute Elaine mit runzelner Stirn an und sagte mit stierendem Blick in den Ausschnitt der Kellnerin „Noch ein kleines Pils und einen heissen Kakao für die nette Dame neben mir!“ Elaine schüttelte schmunzelnd den Kopf mit dem Blick zur Seite, da sie das Verfolgen der Augen Joeś mitbekommen hatte.
Die Kellnerin schlenderte mit wackelnden Gesäß wieder rein an den Tresen und Joe schaute ihr hinterher. Welches Elaine bemerkte und lachend sagte „Joe, du kannst es nicht lassen, man du geierst ihr ja richtig auf den Hintern, ich seh genau, wo deine Augen hingehen!“ Joe schaute immer noch in diese Richtung bis er sich mit verdrehenden Augen und lächelnd verschmitzten Mundwinkel zu Elain wandte.
Sie tranken beide noch ihre Getränke, plauderten uns scherzten dabei in der alleinigen Idylle. Joe bezahlte mit leuchtenden Augen bei der Kellnerin wie ein Gentleman.
Sie setzten sich beide in das von der Sonne aufgeheizte, mit stickiger Luft gefüllte Auto. Elaine kurbelte sogleich an den Fenstern, um etwas Sauerstoff ab zubekommen. Joe moserte „Mach nicht gleich alle Fenster auf, da bekomme ich Zug!“ Elaine schüttelte den Kopf und erwiderte „Am Tisch schaust du der Kellnerin noch in den Ausschnitt, machst einen langen Hals, wie ein Jugendlicher und hier unbeobachtet, zickst du wegen frischer Luft!“ Sie mussten beide lachen und fuhren weiter zu der Kundin.
Dort angekommen, klingelte Elaine an dessen Haustür. Eine ältere grimmig drein schauende Dame öffnete vorsichtig einen Spalt die Tür. Elaine berichtete, woher sie kam und wer sie schickte das Auto von der Kundin abzuholen. Die Kundin sehr skeptisch schauend und begutachtend Elaine von oben bis unten, nichts glaubend, dass Elaine die Lebenspartnerin vom Chef war. Die Dame wetterte vor sich hin und rief sofort die Werkstatt an. Indessen rief Joe ungeduldig über die Straße zu Elain, ob alles in Ordnung sei oder er mit der Dame reden soll. Elain winkte ab und rief in leisen Tönen zurück „Sei ruhig und halt bitte den Mund!“. Sie lächelte ihm mit einem zwinkerndem Auge zu und wandte sich zur Kundin, die jetzt vom beendeten Telefonat auf Elaine zuging.
Die Dame tat entschuldigend und suchte den Schlüssel von ihrem Fahrzeug. Sie begleitete Elain bis zum Fahrzeug in der Garage und versuchte Elain Vorschriften zu machen, wie sie das Auto auf die Straße bewegen solle. Elain verdrehte nichts sehend die Augen, startete den Motor und bewegte das Fahrzeug von der Garage auf die Straße. Sie trat auf das Gaspedal und sah die Dame nur noch im Rückspiegel.
Joe verfolgte sie in der Eile. Unterwegs schaute Elaine auf die Uhr und es überkam sie das schlechte Gewissen, somit beschleunigte sie die Geschwindigkeit und stellte das Radio mit ihrem gewohnten Sender an. In Gedanken hörte sie Cedrik wüten, aber den schönen Morgen konnte ihr keiner nehmen.
In der Autowerkstatt angekommen parkte sie das Fahrzeug auf dem Gelände. Nahm sich Zeit zum aussteigen in der Hoffnung, Joe würde gleich die Einfahrt reinfahren. Da bog er auch schon um die Ecke und parkte das Fahrzeug gleich neben Elaine. Sie öffneten fast zeitgleich die Autotüren, schauten sich an und mussten lächeln. Elaine ging mit Joe durch das Büro Richtung Werkstatt. Sie schob Joe die letzten Schritte vor der Werkstatt vor sich her. Flüsterte schmunzelnd hinter Joes Rücken „Geh du mal vor!“ und hörte Cedrik lauthals brüllen „Seit ihr wieder bis nach Afrika gefahren oder was? und Elaine, wieso versteckst du dich?“ Cedrik kam in großen Schritten auf beide zu mit einem aufbrausendem Gesichtsausdruck. Elaine stellte sich vorsichtig neben Joe, sah Cedrik an und mußte verbissen lächeln. Sie versuchte sich zu rechtfertigen, indem sie Cedrik sagte „Weißt du wie voll die Straßen heute waren, Fahr mal los und ausserdem habe ich mich nicht versteckt. Joe stand nur in der Tür von der Werkstatt und durch seinen breiten Rücken habe ich nicht durchgepasst!“
Sie drehte sich mit einem vergneifenden Lachen um und verschwand in ihr Büro. Joe beruhigte Cedrik in der Werkstatt durch ein Männergespräch. Danach verabschiedete er sich in der Werkstatt und sagte im Büro zu Elaine mit leuchtenden Augen „Mach’s gut, bis Morgen!“
Elaine bemerkte es nur am Rande, da sie in ihre Arbeit vertieft war und antwortete im Unterbewusstsein „OK, bis morgen.“
Später fragte Cedrik Elaine „Na, wo wart ihr beide wieder?“ Elaine versuchte das Lächeln zu unterdrücken und antwortete vertieft in ihren Unterlagen „Wo sollen wir gewesen sein? Wir haben das Auto geholt!“ und arbeitete weiter. Cedrik beugte sich zu ihr mit Blick in die Augen, so dass Elaine nun das Lächeln nicht mehr zurückhalten konnte. Sie gestand Cedrik, dass Joe sie zu einem heissen Kakao eingeladen hatte.
Am nächsten Mogen kam Joe ins Büro und Elaine bedankte sich für das gemeinsame Frühstück in freier Natur. Sie erwähnte nochmal den wohlschmeckenden Kakao. Daraufhin musste Joe lachen und sprach „Elaine, ich kann dir genau sagen, warum der Kakao so gut geschmeckt hat. Ich habe der Bedienung gesagt, daß sie ihn mit Sahne herrichten soll, ohne dass du dies bemerkst.“ Joe lachte und lachte. Elaine antwortete lachend „Oh nein, Joe du bist echt gerissen!“Aber er hat mir dafür gut gemundet.“
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