Sonntag-Vormittag
„Was du dir am Freitag geleistet hast, war ja mal wieder typisch. Du bist doch wieder nur rumgefahren zum fotografieren!“
Elaine war innerlich wütend, die Tränen traten ihr in die Augen. Dieser Mann, den sie liebte, der es nicht gut mit ihr meinte. Nur auf sich, seinen Vater und seine erwachsenen Söhne bedacht. Diese arrogante Artikulierung, die Elaine schon öfters zu spüren bekam, mit der sie sich allerdings nicht anfreunden konnte.
Das gesamte Wochenende verkorkst durch Missverständnisse.
Freitag-Mittag
Elaine verabschiedete sich in der Firma von ihrem Freund Cedrik, um ihre Tochter aus den 180 Kilometer entfernten Niedersachsen für das Wochenende zu holen. Sie plante schon etwas mehr Zeit ein, da die Baustellen der Autobahnen sich zu vermehren schienen. Elaine kannte die Strecke zu gut durch die jahrelange Befahrung der Straßen.
Es verlief alles reibungslos. Ihre Tochter stieg ins Auto und sie fuhren vergnügt zurück Richtung Ostsee.
Beide waren durch den Verkehrsfunk auf den laufenden. Somit gab es in ihren Köpfen keinerlei Hindernisse auf den Autobahnen, außer der Baustellen.
Miteinmal fuhren sie mitten in ein Stauende rein. Sie scherzten beide, dass weiter vorn wohl wieder mal einer gepennt hätte.
Allerdings sollte es sich als das Gegenteil erweisen, da sie 15 Minuten später vom Verkehrsfunk über einen 14 Kilometer Stau informiert wurden, wobei sie mittendrin standen. Na toll, die Stimmung lies bei Elaine nach, da sie gerade vor 5 Minuten an einer Autobahnabfahrt vorbei gefahren waren. Somit mussten beide Stück für Stück im schlängelnd pustenden Verkehr mitrollen. Es gab sehr viel Blickkontakte durch die Scheiben der anderen Fahrzeuge.
Elaine schaltete das Navigationsgerät ein, um eventuell die Misere zu umfahren. Die Zeit verging wie im Flug, allerdings schien der Tacho im Auto stehengeblieben zu sein.
Der nächste Verkehrsfunk berichtete über den bestehenden Stau, weiterhin sollten 50 Kilometer weiter der nächste Stau von 6 Kilometer auf die Fahrzeuge warten.
Es wurde ja immer besser. Elaine wollte schon zu Hause sein, da ihr Mann und deren erwachsener Sohn Besuch vom Opa und Bruder erwarteten.
Gedanklich war sie andererseits nicht böse darüber, jetzt nicht zu Hause anwesend zu sein, da sie sich in deren Gesellschaft sehr unwohl fühlte. Die Gespräche führten nur die Männer unter sich, Elaine schien jedesmal überflüssig, da sie in deren Gespräche nicht eingebunden wurde.
Was wiederum innerlich weh tat.
Das Navigationsgerät verhalf nichts Gutes. Erste halbe Stunde kein Signal, dann schlug die weibliche Stimme vor, dass Elaine noch weitere 11 Kilometer auf der Autobahn fahren müsste, um dann auf eine andere Bahn zu folgen. „Na toll, dann können wir ja gleich im Stau bleiben, wir werden wohl heute nie zu Hause ankommen.“ Ich habe doch extra im Navigationsgerät -keine Autobahn- eingegeben. Na ja, Elaine fuhr die nächste Abfahrt runter, somit direkt nach Hamburg rein.
Es schien Freitag der 13. zu sein, so verhext war alles, da das Navigationsgerät mitten in der City versagte und -kein Signal- anzeigte.
Elaine ging es garnicht gut, da sie sich auf den vollgestopften Verkehr und die Verkehrsschilder konzentrieren musste, zumal ihre Tochter auch noch das Wasser lassen überkam.
Sie wünschte sich, dass Cedrik dies alles hier an diesem Freitag-Nachmittag miterleben würde, da sie genau seine Reaktion kannte. Er stellte ihre erlebten Argumentationen fast immer in Frage. Gerade heute, wo sein Vater zu Besuch kam. Na ja, sie konnte es nicht ändern, ihre Tochter lag Elaine mehr am Herzen.
Nach einer Weile sprach die weibliche Stimme aus dem elektronischen Gerät wieder mit den Fahrzeuginsassen – 3 Kilometer geradeaus- mitten in der City. Alles super, alles Ok….nach einem halben Kilometer aufeinmal -bitte wenden sie- Elaine fuhr weiter geradeaus, die Stimme brachte sich wieder normal ein…lies verlauten, dass Elaine in 500 Metern links abbiegen müsse, welches ein Kinderspiel war…..Allerdings sagte die Stimme mitten in der Kurve -jetzt rechts abbiegen-…..Elaine wutentbrannt, was hat sie gesagt, die spinnt doch, erst links, dann rechts, was will sie?
Ich schmeiß das Teil gleich aus dem Fenster und lachte. Nun hatte das Navi-Gerät keinen Empfang mehr. Elaine sagte zu ihrer Tochter, dass sie das Gerät ausschalten kann, wir fahren jetzt nach den Schildern.
Gesagt getan. Es funktionierte angemessener Weise bis sich Elaine sicher war, wieder auf die Autobahn zu kommen am Stau vorbei. Sie fuhren gestresst in den nächsten Stau von nur noch 4 Kilometern und kamen nach 4,5 Stunden Fahrt für 180 Kilometer zu Hause an.
Elaine hörte beim aussteigen die lauten Stimmen in den Räumen des Hauses. Sie öffnete den Kofferraum, ging vollbepackt mit den eingekauften Lebensmittel vor 5 Stunden in die Küche, um sie sofort in die Kühlung zu bringen. Dabei kam sie im Hof vorbei, dort standen die Männer alle verabschiedend. Elaine rief mit ihrer Tochter, die Hände tragender Lebensmittel, ein lautes Hallo. Die Blicke richteten sich auf beide, allerdings ohne Erwiderung, da sie ihr Gespräch fortführten.
Elaine war kaputt von der 6-stündig nervenaufreibenden Fahrt packte den Einkauf in den Kühlschrank, räumte den Rest auch noch weg und schaute durch die Tür Richtung Hof. Aber dort war niemand mehr zu sehen. Cedrik ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem Fernseher.
Elaine zog sich mit ihrer Tochter zurück in deren Zimmer, da sie sich in diesem Haus wieder überflüssig vorkam.
Sie dachte nur, na tolles Wochenende, das ist ja nun gelaufen.
Samstag-Morgen, Cedrik war schon unterwegs zur Treibjagd, somit war Elaine wieder allein. Es ging ihr nicht gut, da ein Schmerz der Nieren sie überkam. Abends kam Cedrik und schaute kurz nach ihr.
Sonntag-Morgen
Cedrik trank mit seinem erwachsenen Sohn im Raucherzimmer gemütlich vorm laufenden Fernseher Kaffee. Elaine dachte, na toll, wie schön wäre es jetzt wir beide würden gemütlich frühstücken ohne Fernseher mit einem nettem Gespräch und der Sonntags-Zeitung. Aber es war wieder der zig-wiederholte Wunsch ohne Erfüllung.
Einige Zeit später, als Elaine Cedrik allein vorfand, beschwerte sie sich über den Sonntag-Morgen, dass sie es traurig findet allein zu frühstücken, er es vorzieht mit seinem erwachsenen Sohn fern zu schauen.
Ihr Freund antwortete nicht darauf. Er machte Elaine nur Vorwürfe, meinte „Was du dir am Freitag geleistet hast, war ja mal wieder typisch. Wir sitzen wartend und du hältst es nicht für nötig nach Hause zu kommen. Du bist doch wieder nur rumgefahren zum fotografieren.
Elaine versuchte sich zu verteidigen, wegen dem Stau und dass sie ihren Fotoapparat nicht mit hatte.
Aber er hörte ihr nicht zu, glaubte ihr somit kein Wort.
Elaine war hilflos traurig über diese Reaktion, wollte nur weg, raus aus der Umgebung, wo soviel gegen sie sprach. Die Tränen standen schon bereit.
Dann die berüchtigte Frage, warum Cedrik in Gegenwart seiner erwachsenen Söhne meistens so häßlich von oben herab zu ihr war.
Elaine und Cedrik zu zweit in den Räumen, es war so anders, so wunderbar schön. Die Sprache war von anderer Natur, das Wesen-einfach alles.
Was für ein verkorkstes Wochenende.
© Julielasourire
sehr intiresno, danke
danke für das Lesen